Krawall-Kolumne: "Die versaute Generation" -Update

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Krawall-Kolumne: "Die versaute Generation" -Update

Beitrag von CM_Admin » Montag 30. Mai 2011, 12:44

Auf der Konferenz für deutsche Spieleentwickler "Quo Vadis" Anfang Mai hielt ich einen Vortrag mit dem bewusst provokant gewählten Titel: "Spielst du noch - Oder zahlst du schon?"

Der Chefredakteur von Krawall, André Peschke, dem "Spiele-Info-Portal für die echten Zocker", hat eine interessante und sehr lesenswerte Kolumne verfasst zum Thema "Die versaute Generation", nicht zuletzt auch angeregt durch meinen Vortrag vor Ort auf der Konferenz in Berlin.

Meine Vortragsslides gibt es übrigens auf der Chromatrix-Webseite hier: http://www.chromatrix.com/Spielen-Motivieren-QV2011.pdf

Viel Spaß beim Lesen ... und gerne auch diskutieren.

Euer Stefan Blanck
Zuletzt geändert von CM_Admin am Freitag 15. Juli 2011, 16:53, insgesamt 2-mal geändert.

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Legolas-RE
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Beitrag von Legolas-RE » Montag 30. Mai 2011, 21:46

Hallo Stefan,

habe deine Powerpoint und den Artikel gelesen und zufällig heute in das Ende eines Fernsehbeitrages über einen Spielsüchtigen (von Browsergames) gezappt.

Finde die Gedanken dazu sehr interressant und habe sie in diesem Zusammenhang bisher noch nicht betrachtet.

Wenn ich mal an Diablo denke, ist das "süchtig"machende und immer wieder spielen wollende der Sammer&Jäger Effekt. Deswegen fand ich das Spiel immer gut und habe es zumindestens eine ganze Zeit lang mehr gespielt, als gut für mich war.
Auch die Rankingsysteme wie z.B. hier auch bei euch, haben mich ne ganze Zeitlang öfter spielen lassen, als ich eigentlich wirklich zeit dafür hatte. Schließlich war ich mit meinem Arngrim lange auf Platz 1, was aber viel investierte Zeit und Geld von mir brauchte. Als es zuviel wurde , bin ich ausgestiegen. Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht allen gelingt. Jetzt nicht unbedingt bezogen auf DSA, sondern ganz allgemein. Schließlich gibt es schon etliche Therapiegruppen für Spielesüchtige in Deutschland.

Im übrigen bin ich wieder zurückgekommen durch die Bonusaktion, aber der Rangliste werde ich nicht mehr hinterherlaufen und werde mich wieder mehr auf die Abenteuer konzentrieren, denn das war ursprünglich für mich genau der Reiz bei diesem Broweser Game. Ich kann spielen wann ich will oder auch mal Wochen oder Monate aufhören und wiederkommen ohne dass ich dadurch einen Verlust erleide- es sei denn ich will auf Platz 1 der Rangliste stehen. Das will ich nicht mher- Es kostet zuviel Zeit.

Gruß
Legolas-RE
"Die beste Informationsquelle sind Leute, die versprochen haben, nichts weiterzuerzählen."
-Dexter Nemrod, Reichgroßgeheimrat-

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Beitrag von CM_Admin » Dienstag 31. Mai 2011, 10:54

Hallo Legolas-RE,

willkommen "zurück". Freut mich, dass ich dir einige neue Perspektiven aufzeigen konnte.

Stefan Blanck

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Ayrina
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Beitrag von Ayrina » Freitag 3. Juni 2011, 15:52

Hallöle,

Deine Slideshowdingsis habe ich leider ohne Erklärung irgendwie nicht verstanden. Den Artikel fand ich allerdings sehr interessant.

Was Diablo betrifft, kann ich nur teilweise zustimmen. Diablo 1 hat mich nur dahingehend motiviert, mehrmals duchzulaufen, weil ich es mit verschiedenen Chars ausprobieren wollte. Von Sammelleidenschaft kann ich da nicht reden. Bei Diablo 2 habe ich leider nie den höchsten Schwierigkeitsgrad geknackt und es dann aufgegeben. Auch keine Spur von z.B. Set-Jägerei. Das konnte mich eh noch nie besonders faszinieren. Vielleicht bin ich ja eine Mutantin. :D

Ganz anders sieht das schon aus, wenn mir ein Spiel gefällt und es Achievement für gesammelte Sachen gibt. Dann sammel ich sie auch. Aber ganz ehrlich: das ist bis jetzt nur bei WoW und bei Lara Croft and the Guardian of Light vorgekommen.

Was Mehrspielermodi betrifft: wenn ein Spiel, das mich interessiert, einen solchen hat: Supi. Ansonsten muss ich schon wirklich überlgen, ob ichmir das kaufe, weil ich meistens mit ner Freundin im Netzwerk spiele. Bei Portal waren wir übrigens sehr enttäuscht über die Kürze. Da hatte ja der Mehrspielermodus mal so gut wie gar keinen Inhalt und auch die Erfolge sind...wenige. Da hab ich bis jetzt den Singleplayermodus grad mal etwas angespielt, weil der Multiplayer stark enttäuscht hat.
Also für mich Multiplayer wichtig, aber nicht ob es da Rabking oder sonstewas gibt.

Und noch kurz zu den Belohnungen mit denen ich hier zum PvP gelockt werden sollte: das hat auch nur funktioniert, weil auf Stufe 8 ein Fragezeichen stand. Aber dann hats auch wiederum nur teilweise funktioniert, weil die Belohnungen gleichzeitig nicht motivierend genug waren oder so. Keine Ahnung. Oder weil ich die meisten Kämpfe verliere (außer gegen Leomar (25/25) gegen den ich erstaunlicherweise gewonnen habe) und keine Lust auf die Rep-Kosten habe.

Aber um nochmal auf die Motivation zurückzukommen (war ich da überhaupt schon? Ich guck jetzt nicht nochmal oben nach...): das einzige Spiel, was mich wirklich nächtelang fasziniert hat, war Civilization (egal welcher Teil). Das hat so nichtmal WoW geschafft, obwohl mich das Erfolgssystem da doch schon etwas...motiviert.

So, keine Ahnung, ob das ein sinnvoller Beitrag war oder nicht, aber gesagt ist gesagt. :D :D :D

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Beitrag von CM_Admin » Freitag 3. Juni 2011, 16:15

Hallo Ayrina,

vor einigen Jahren habe ich mich mal intensiver mit Präsentationstechniken befasst. Seither gibt es bei mir keine "Bulletpoints"-Slides mehr. Einem Präsentations-Guru zufolge darf eine Folie niemals mehr als 6 Wörter darbieten. So weit würde ich zwar nicht in jedem Fall gehen, aber seit einigen Jahren halte ich Vorträge in einer Weise, dass die Folien tatsächlich meine Worte im Hintergrund durch Bilder und Strukturen unterstreichen.

Meine Worte fehlen dir jetzt selbstverständlich und deshalb sind die Slides ganz gewiss nicht aus sich heraus verständlich. Primär sind die Slides auch für diejenigen gedacht, die dem Vortrag beiwohnten. Denn ich teile auch in jedem meiner Vorträge von vornherein mit, dass die Slides nach dem Vortrag (spätestens am Folgetag) online zur Verfügung stehen. Dies vorweggeschickt braucht niemand im Publikum hektisch Informationen mitzuschreiben oder die Folien abzufotografieren. Somit kann sich jeder tatsächlich auf meinen Vortrag hörend konzentrieren. Macht es für alle viel angenehmer.

Im Übrigen halte ich diesen Vortrag - wahrscheinlich in leicht gewandelter Form - noch einmal am 14.07. diesen Jahres Nachmittags an einer Hochschule in Stuttgart. So weit ich weiß, ist die Veranstaltung kostenfrei und sogar offen für Publikum. Wer in der Gegend ist und Interesse hat, kann sich ja frühzeitig bei mir melden. Ich kann dann weitere Informationen mitteilen.

Viele Grüße

Stefan Blanck

Alrik Fassbauer
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Beitrag von Alrik Fassbauer » Freitag 17. Juni 2011, 14:01

So, ich habe mir noch nicht alles durchgelesen, bastle aber schon seit längerem an meiner ganz eigenen Theorie :

Abhängigkeit durch Adrenalin-Ausstöße.

Ich bin wirklich kein Psychologe und Biochemiker, obgleich ich mir schon das eine oder andere angeeignet habe.
Im Zweifelsfalle bitte unter "gefährliches Halbwissen" einsortieren. ;) Danke. ;)


Meine Theorie besteht im Wesentlichen daraus, daß Action-Spile adrenalin ausstoßen, und der "Adrenalin-Rausch" als eine Art biochemiche Belohnung gesehen wird - vom Körper. Physisch. Oder Physiologisch.

Action-Spiele belkohnen also den Spieler - nach meiner Theorie. Und zwar nicht durch Bonbons oder Endorphine - sondern über den weg von Adrenalin.

Ich vermute, daß Hooligans sich deswegen auch diese Schlägereien und Schlachten liefern : Des Adrenalin-Rausches wegen.

Ich glaube mich sogar an ein Interview zu erinnern, in dem ein Schläger/Hooligan genau das zugab. Den Rausch des adrenalins.

Im Grunde - jetzt einmal zu Ende gedacht - könnte das auch zu einer Art Abhängigkeit von "körpereigenen stoffen" werden - ist also letztendlih eine Sucht wie jede andere stoffbasierte ucht auch.
Es soll ja auch Menschen geben, die "Sport-süchtig" bzw. "Jogging-süchtig" sind - eben wegen der dabei ausgeschütteten Endorphine. Oder auch Sex-Sucht, soll es ja auch geben.

Falls meine Theorie zustimm, so "erzieht" die derzeitige TV- und Spiele-Landschaft junge Menschen zu einer "Generation Adrenalin". Das *könnte* vielleicht ein Anhaltspunkt dafür sein, daß - bei gleichzeitiger Enthemmung via Alkohol - die Anzahl der *wirklich* brutalen Schlägereien in den letzten Jahrzehnten so ansteigt.

Und daß die Brutalität als Solche immer mehr zunimmt.

Denke ich das wirklich ganz bis zum Ende hin durch, so könnte - sollte meine These überhaupt richtig sein - der TV-Konsum sowie der Spiele-Konsum der letzten Jahrzehnte ( ! ) eine möglihe Erklärung dafür liefern, warum unsere Gesellschaft generell immer mehr "brutalisiert". Man erinnere sich doch bloß einmal der Proteste wegen "Schweinchen Dick", der Zeichentrickserie (in der Bugs Bunny glaube ich auch auftauchte).

Mein Verdacht ist übrigens auch, daß sich da mehrere Faktoren gegenseitig verstärken könnten :

So bin ich inzwischen auch davon überzeugt, daß die "Action"-lastigkeit von Film, Fernsehen und Spielen Ungeduld fördert. Alles muß heutzutage schnell geben. "Loot" soll möglichst innerhalb von Sekunden "droppen". Geduld für Puzzle geht flöten.
Geduld geht generell flöten, denn Action-basierte Belohnungssysteme setzen eben nicht auf Geduld.

Im richtig großen Maßstab hin gesehen fördert dieses "Age Of Action" das kurzfristige Denken.
Das Handeln "für den Kick", ohne Rücksicht auf Verluste (oder auf Menschenleben).

Und das ist es, was mir Sorgen macht.



Alrik

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Nachschlag von Krawall

Beitrag von CM_Admin » Freitag 15. Juli 2011, 16:53

Gerade online gegangen ein weiterer Artikel zum Thema "Free-2-Play" inklusive Zitaten von Stefan Blanck: http://www.krawall.de/web/Krawall.de/special/id,59078/

Viel Spaß beim Lesen

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Ayrina
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Beitrag von Ayrina » Donnerstag 10. November 2011, 23:57

Hallöle,

ich hab das grad mal durchgelesen. Jetzt will ich hier auch durch ein Belohungssystem geködert werden. Mir schwebt da sowas vor wie :

Würfele 100 mal auf eine Probe, ohne das sie gelingt (und ohne daß du das Inventar zerlegst :wink: ).

oder:

Würfele göttergefällige 12 mal eine dreifach 1.

Naaa? :D :D :D

Edit: Oder : Spiele in allen Abenteuern alle möglichen Lösungwege mit allen deinen Charakteren durch. :twisted:

Alrik Fassbauer
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Beitrag von Alrik Fassbauer » Sonntag 4. Dezember 2011, 15:12

Habe einen interessanten, und höchst kritischen Blog-Eintrag via RPGWatch gefunden : http://garethfouche.com/revulsion

Ist in Englisch, aber ich kann es wirklich nur empfehlen !

Elogron
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Beitrag von Elogron » Donnerstag 8. Dezember 2011, 11:28

naja wo hier in diesem Spiel die Motivation ist, weis ich auch nicht recht:

klicken - Probe veruchen - scheitern, laden - klicken - Probe veruchen - scheitern, das ist wenn dann ein Gedultsspiel, wer genug Nerven hat schaffst halt irgendwann auf zum nächsten. Deswegen werd ich auch keine weiteren Abenteuer kaufen, klicken langweilt auf Dauer. Ja es ist nur ein Spiel aber es soll ja "realitätsnah" sein und da sollte eine falsche Entscheidung schon mal ein falsche Entscheidung sein.

Aber vielleicht noch ma lurz zum Thema: was ist das schon, ein bisschen Geld für Spiele auszugeben, Sucht und Hobby das sind zwei Begriffen die je nach Charakter in ein ander verschmelzen .
In meiner Jugend war ich heis auf Handball, ich hab mir jedne Scheiss geholt, handsignierte Bälle von Stefan Kretzschmar, spezielle Sportschuhe etc., aber mit 16/17 hat das nach gelassen, aber die Kohle die ich darein gesteckt ist futsch - was solls.
Jetzt geb ich halt mal 10 - 15 € im Monat für Onlinegames aus und das sind drei Schachtel Zigaretten (übern Daumen) und dabei bin ich Nichraucher. Selbst Raucher hören nach Jahren mit Rauchen auf, mein Opa hat mit 60 aufgehört einfach so. Die meisten Suchtis werden vom echten Leben wie Job und Freundin eingeholt und somit ist meine ehemalige Sucht eher ein Hobby das ich mir halt gelegentlich leiste.

Ich finde das Computerspielen nicht zu teuer ist, eher ist es Neid weil man selbst nicht auf so eine einfach und trotzdem geniale Idee gekommen ist :D

Gruß und bleibt schön süchtig, schliesslich werd ich auch nervös, wenn ich lange keine Alkohol bekomme :D

Alrik Fassbauer
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Beitrag von Alrik Fassbauer » Dienstag 29. Mai 2012, 12:17

Da hat jemand eine sehr ähnliche Theorie wie ich (meine Theorie ist, daß es eine Art von Abhängigkeit von Adrenalin geben kann, das bei Action-Spielen ausgescjhüttet wird, sowie bei Randale von Hooligans) :
http://www.gamestar.de/news/vermischtes ... autor.html

Schlucki
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Beitrag von Schlucki » Mittwoch 20. Juni 2012, 11:44

Hallo! Die Slides sind wirklich beeindruckend und super informativ. Mal wieder was Neues gelernt :)

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Beitrag von CM_Admin » Donnerstag 21. Juni 2012, 09:15

Freut mich. :D

Alrik Fassbauer
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Beitrag von Alrik Fassbauer » Freitag 22. Februar 2013, 12:36

Ich bin heute über ein Forum auf einen imho nicht uninteressanten Wikipedia-Artikel gestoßen : http://de.wikipedia.org/wiki/Kultivationshypothese

Der paßt ganz gut zu meinem Verdacht, daß mit Computerspielen ähnliches passiert - insbesondere, so mein Verdacht, auf der Ebene des Unterbewußtseins/Unbewußten. Das ja immer noch relativ unerforscht ist, soweit ich weiß.

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Beitrag von CM_Admin » Freitag 22. Februar 2013, 16:59

Interessant. Die These allemal und sicherlich auch die Sozialisierungseffekte von Fernsehen. Allerdings scheinen die wissenschaftlichen Erhebungen im Einzelnen doch auch sehr kritischer Hinterfragung bedürftig. Das erinnert mich auch irgendwie an das Kriminologische Institut Niedersachsen.

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